10.02.2017 - erstellt von ZfP Südwürttemberg

125 Jahre Psychiatrie in Weissenau

Bei einem Festakt blickte Sozialminister Manne Lucha gemeinsam mit ZfP-Geschäftsführung, und Wegbegleitern auf 125 Jahre Psychiatrie zurück.

Am 1. April 1892 wurde im ehemaligen Königreich Württemberg die vierte staatlich-psychiatrische Krankenhauseinrichtung in Weissenau bei Ravensburg gegründet. Heute befindet sich dort eine psychiatrische Fachklinik mit breitem Versorgungsspektrum, eng verzahnt mit ambulanten und gemeindenahen Versorgungsstrukturen für psychisch kranke Menschen. Bei einem Festakt blickte Sozialminister Manne Lucha gemeinsam mit ZfP-Geschäftsführung, Mitarbeitenden und Wegbegleitern auf die vergangenen Jahre zurück.

„Wir sind aufgerufen, Betroffene zu Beteiligten zu machen und eine Therapie auf Augenhöhe zu ermöglichen“ erklärte Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg. Psychisch kranke Menschen dürfen nicht auf ihre Krankheit reduziert werden. Die Menschenwürde stehe dabei stets im Mittelpunkt. Und das ZfP, so Lucha, sei dafür ein wichtiger Gewährträger. In seinem Gastbeitrag teilte der Sozialminister außerdem persönliche Erinnerungen an seinen Werdegang im ZfP mit den Anwesenden. Anfang der 80er Jahre hatte er eine Krankenpflegerausbildung im damaligen PLK absolviert.

„125 Jahre Psychiatrie in Weissenau — ein guter Grund zu feiern“, freute sich Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP-Südwürttemberg, der die Gäste im Festsaal des Klostergebäudes begrüßte. „Weissenau ist heute vernetzt, patientenorientiert und Modellregion der gemeindepsychiatrischen Versorgung. Außerdem ist der Standort besonders für innovative und fortschrittliche Entwicklung bekannt“, erklärte Grupp, der damit auf sektorenübergreifende Behandlungsmodelle, Dezentralisierung und den Weissenauer Schwerpunkt der Versorgungsforschung verwies. Ambulantisierung, die Behandlung der Patienten zu Hause,  und inklusive Arbeitsprojekte werden auch verstärkt eine Rolle spielen: „Wir werden noch mehr in die Gemeinden gehen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben psychisch kranker Menschen in therapeutischen Konzepten weiter umsetzen“, kündigte Prof. Dr. Renate Schepker an. Sie ist Regionalkoordinatorin des ZfP Südwürttemberg für die Region Ravensburg-Bodensee.

Einen ausführlichen Einblick in die Geschichte der Weissenauer Klinik gab Prof. Dr. Thomas Müller vom Forschungsbereich Geschichte und Ethik der Medizin des ZfP Südwürttemberg. Er sprach über Meilensteine und Zäsuren, angefangen von der Gründung als vierte Anstalt Württembergs 1892, über die Jahre als Heil- und Pflegeanstalt, die NS- und Nachkriegszeit und der Psychiatrie- Enquête 1976 als Wende bis hin zur Gegenwart.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachten außerdem Harald Sievers, Landrat des Landkreises Ravensburg, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, Dr. Daniel Rapp. Sievers lobte den Beitrag des ZfPs, dass sozialpolitische Herausforderungen so gut gestaltet werden können. Oberbürgermeister Dr. Rapp dankte für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Ravensburg, so zum Beispiel in Hinblick auf die Gedenkkultur. Als größter Arbeitgeber in der Stadt und Region habe das ZfP zudem bundesweite Vorbildfunktion.

Musikalisch untermalt wurde der Festakt von der Gruppe Bolinhos. Großen Applaus erntete außerdem die inklusive Theatergruppe „companie paradox“, die mit ihrem Stück „Spielbank“ das Publikum begeisterte.