Psychiatrie von A bis Z

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Elektrokrampftherapie (EKT)

Bei einer Elektrokrampftherapie (EKT) wird durch eine kurze elektrische Reizung ein Krampfanfall im Gehirn ausgelöst, der einem epileptischen Anfall gleicht. Dabei erhält ein Patient in Narkose über Elektroden an den Schläfen eine genau dosierte Strommenge. Dem Krampfanfall folgt meist ein kurzer Schlaf. Komplikationen bei der Behandlung sind sehr selten. Gelegentlich leidet der Behandelte unter leichten Gedächtnisstörungen, die jedoch bald wieder verschwinden. Die EKT entstand zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde bei fast allen psychiatrischen Krankheiten angewandt. Seit es wirkungsvolle Medikamente (Psychopharmaka) gibt, wird ihre Anwendung immer seltener. Heute ist diese Therapie manchmal die letzte Möglichkeit, sehr schwere, lang andauernde Psychosen zu heilen. Für bestimmte Formen der Depression und Schizophrenie, die sich trotz Medikamente nicht bessern, ist die EKT oft die letzte, aussichtsreiche Behandlungsmöglichkeit. In vielen Fällen rückt ein Patient nur nach einer Behandlung mit einer EKT von seinem Wunsch ab, sich selber zu töten. Bei einer bestimmten Form der Schizophrenie kann die EKT sogar lebensrettend sein.

Entgiftung/Entzug

Bei einem Entzug wird dem Körper eines Menschen ein Stoff entzogen, den dieser meist zur Befriedigung seiner Abhängigkeit zuvor regelmäßig eingenommen hat. Meist leiden die Betroffenen unter starken Entzugserscheinungen, sodass sie in einem Krankenhaus intensiv betreut werden müssen. Die körperliche Entgiftung ist bei einer Abhängigkeit nur der erste Behandlungsteil, der wenige Tage dauert. Im „qualifizierten Entzug“ einer suchttherapeutischen Klinik wird der körperliche Entzug durch eine Motivationsbehandlung ergänzt, bei welcher der Betroffene Informationen erhält und zu einer weiterführenden Behandlung motiviert wird. Danach folgt die zeitlich längere Phase der Entwöhnungsbehandlung, in der die Betroffenen ihre körperliche und psychische Abhängigkeit überwinden.

Entwöhnung

Um seine Abhängigkeit zu überwinden, benötigt ein suchtkranker Patient oft nach einer Entgiftung eine Phase der Entwöhnung, die meist zwischen zwei und sechs Monaten dauert. Dabei verzichtet er auf sein gewohntes Sucht- oder Genussmittel, um sich aus alten Gewohnheiten zu lösen und ein Leben ohne Suchtmittel aufzubauen. Erst nach Monaten klingen die körperlichen Begleiterscheinungen einer Drogenabhängigkeit ab. Dazu gehören Störungen unwillkürlicher Körperfunktionen wie Atmung, Blutdruck und Verdauung, aber auch Schlafstörungen und Gewichtsverlust. Häufig benötigt ein Süchtiger nach der Entwöhnung weitere sechs Monate, um sich in seinem drogenfreien Leben zu stabilisieren.

Epilepsie

Die Epilepsie ist ein so genanntes Anfallsleiden, das früher auch Fallsucht genannt wurde. Rund 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung ist davon betroffen. Die Krankheit äußert sich vor allem in immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen, die durch kurzschlussartige Vorgänge im Gehirn ausgelöst werden. Bei einem so genannten großen Anfall, nach dem Französischen auch „grand mal“ genannt, kommt es zur blitzartigen Bewusstlosigkeit. Dabei stürzt der Betroffene zu Boden, der ganze Körper verkrampft und schüttelt sich heftig. Ein solcher Anfall kann ein bis zwei Minuten dauern. Trotz des dramatischen Verlaufs erholt sich der Betreffende nach kurzer Zeit, doch beim Sturz kann er sich schwere Verletzungen zuziehen. Auslöser für die Anfälle können äußere Umstände sein wie Fieber, Sonnenbestrahlung oder Vergiftungen, oder auch eine krankhafte Veränderung im Gehirn. Begleiterscheinung der Krankheit ist die so genannte epileptische Wesensveränderung, von der etwa die Hälfte der Epileptiker betroffen sind: Ihr Denken wird zähflüssig, sie werden umständlich und weitschweifig, wiederholen sich immer wieder und können sich auf nichts Neues einlassen. Behandelt wird Epilepsie vor allem mit Medikamenten, die Anfälle verhindern sollen. Siebzig bis neunzig Prozent der Kranken bleiben durch Medikamente von Anfällen verschont. Patienten mit einer Epilepsie sollten regelmäßig in einer Klinik untersucht werden, um einen ungünstigen Verlauf der Krankheit zu verhindern.

Essstörungen

Seit einigen Jahrzehnten nehmen Essstörungen wie Ma­ger­sucht (Anorexie) und Bulimie in der Bevölkerung zu. Rund ein Prozent der Mädchen leiden in ihrer Jugend unter Magersucht, etwa zwei Prozent der Deutschen sind von Bulimie betroffen. PatientInnen mit Essstörungen werden meist in klinischen Einheiten behandelt, die sich darauf spezialisiert haben. Von Essstörungen sind rund fünf Millionen Menschen in Deutschland betroffen, Tendenz steigend.

Forensische Psychiatrie / Maßregelvollzug

Die forensische Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Psychiatrie. Sie befasst sich mit der Begutachtung und Behandlung von Menschen jeden Alters, die Straftaten begangen haben, und suchtkrank, psychisch krank oder seelisch behindert sind. Die forensische Psychiatrie hat sozialrechtliche, zivilrechtliche und strafrechtliche Aufgaben. Sozialrechtlich wird beispielsweise die Frage geklärt, ob ein Patient künftig Rente erhalten wird. Zivilrechtlich geht es um die Geschäftsfähigkeit und die gesetzliche Betreuung eines Menschen. Strafrechtlich wird die Schuldfähigkeit eines Menschen geklärt und ob sich ein psychisch kranker Rechtsbrecher künftig an Regeln und Gesetze halten wird. Patienten, die per Gesetz in einer psychiatrischen Klinik untergebracht sind, werden in spezialisierten Kliniken, im so genannten Maßregelvollzug behandelt. Diese Schnittstelle zwischen Justiz und Psychiatrie erfüllt eine doppelte Funktion. Einerseits sollen straffällig gewordene psychisch Kranke durch Behandlung und Betreuung wieder ein Leben in der Gemeinschaft führen können. Andererseits soll der Maßregelvollzug die Bevölkerung vor weiteren Straftaten schützen. Die gerichtliche Einweisung in eine Klinik für Forensische Psychiatrie ist die gravierendste Maßnahme des Freiheitsentzugs. Im Unterschied zu Häftlingen in den Justizvollzugsanstalten wird die Dauer des Aufenthalts von psychisch kranken Rechtsbrechern bei deren Einweisung in Forensische Kliniken nicht zeitlich begrenzt. Erst nach ausreichendem Therapiefortschritt können die Behandler der Justiz eine Entlassung vorschlagen. Dazu gibt es regelmäßige Anhörungen. Für die Patienten heisst das: open end.

Halluzinationen

Halluzinationen und Wahnideen gelten neben anderen Symptomen als wichtige Anzeichen einer Psychose. Halluzinationen sind Scheinwahrnehmungen, das heißt, die Betroffenen haben Sinneswahrnehmungen, die nicht der Realität entsprechen. Sie hören zum Beispiel Stimmen, riechen Gas, sehen und fühlen kleine Tiere. Diese Wahrnehmungen empfinden die Betreffenden als so real, dass es sinnlos ist, sie von anderem überzeugen zu wollen. Halluzinationen kommen häufig vor bei Schizophrenie und beim Delir.

Hirnorganisches Psychosyndrom

Die Bezeichnung „hirnorganisches Psychosyndrom“, abgekürzt HOPS, ist ein Sammelbegriff für seelische und psychosoziale Störungen als Folge von organischen Hirnveränderungen. Ursachen können zum Beispiel eine Hirngefäßverkalkung sein, ein Unfall mit Kopfverletzung, ein Hirntumor oder auch Erkrankungen. Am häufigsten tritt ein hirnorganisches Psychosyndrom als Folge der Alzheimer-Krankheit oder einer Demenz auf, die von Durchblutungsstörungen verursacht wurde. Viele Betroffene leben trotz ausgeprägter hirnorganischer Veränderungen ganz unauffällig, da sie von ihrem sozialen Umfeld unterstützt werden. Das empfindliche seelische und körperliche Gleichgewicht kann jedoch durch belastende Veränderungen ins Wanken geraten. Belastende Veränderungen können zum Beispiel Heim- oder Klinikaufenthalte sein oder ein Wohnungswechsel, aber auch Vereinsamung, der Tod eines nahen Angehörigen oder Operationen. Charakteristisch für ein hirnorganisches Psychosyndrom sind Beeinträchtigungen des Gedächtnisses für neue und alte Erinnerungen, Störungen des Auffassungsvermögens und der Konzentrationsfähigkeit, Einschränkungen der Kritik- und Urteilsfähigkeit oder auch Störungen in der Einordnung von Zeit und Raum.

Hospitalismus

Hospitalismus ist der Oberbegriff für die psychischen und physischen Schäden, die ein Mensch durch einen über Jahre dauernden Krankenhaus- oder Heimaufenthalt erleiden kann. Früher wurde dies häufiger beobachtet. Die Menschen hatten keine Interessen mehr, lebten lethargisch in den Tag hinein. Heute wird der Entwicklung von Hospitalismus-Schäden frühzeitig durch sozio- und milieu-therapeutische, aktivierende Maßnahmen entgegen gewirkt.

Hysterie

Hysterie ist ein veralteter Begriff mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen. Einerseits wurde darunter eine neurotische Störung verstanden, die sich durch körperliche Beschwerden ohne organische Ursache bemerkbar macht. Zu den Beschwerden gehören beispielsweise Gehstörungen, Bewegungsstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, Ausfall der Sinnesorgane wie Blindheit und Taubheit. Diese Krankheitsbilder werden heute den dissoziativen Störungen zugeordnet. Zum anderen wurde so eine Persönlichkeitsstruktur bezeichnet, die typischerweise mit bestimmten Charaktereigenschaften verbunden ist wie Ich-Bezogenheit, Geltungsbedürftigkeit, Kindlichkeit und Unreife. Das Wort „hysterisch“ wurde außerhalb der Wissenschaft häufig auf Simulanten, Phantasten und zu exaltiertem Auftreten neigenden Menschen pauschal angewandt, deshalb ist es in der Fachsprache durch „histrionische Persönlichkeit“ ersetzt worden.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Dazu gehören beispielsweise die Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Erkrankungen oder Störungen, die psychisch oder psychosomatisch sein können, entwicklungsbedingt oder auch neurologisch. Aber auch psychische und soziale Verhaltensauffälligkeiten werden von Kinder- und Jugendpsychiatern behandelt. Sie arbeiten häufig mit Kinder- und Jugendexperten anderer Fachgebiete zusammen wie mit Kinderärzten, Lehrern und Erziehern. Das Bild der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Öffentlichkeit ist derzeit von der häufig auftretenden Erkrankung ADHS und ihrer Behandlung mit dem Medikament Ritalin geprägt. Doch viele andere Erkrankungen wie Autismus, Angst- und Persönlichkeitsstörungen und natürlich die sehr vielschichtigen Probleme der Pubertät spielen eine große Rolle.

Magersucht/Anorexie

Von Magersucht (Anorexie) sind vor allem junge Frauen und Mädchen betroffen. Sie halten sich für zu dick oder haben große Angst davor, dick zu werden, auch wenn sie bereits erhebliches Untergewicht haben. Die Betroffenen weigern sich zu essen, obwohl sie nicht unter Appetitlosigkeit leiden. Sie haben einen starken Drang sich zu bewegen, manche treiben exzessiv Sport. Sie reduzieren ihr Körpergewicht immer weiter durch Abführmittel und Appetitzügler und essen immer weniger. Magersucht nimmt nicht selten einen sehr dramatischen Verlauf: Die Patientinnen magern völlig ab, manchmal bis auf 25 Kilogramm, einige sterben. Für die Familie oder Freunde ist das Verhalten unbegreiflich. Die Betroffenen sehen zu Beginn nicht ein, dass sie krank sind, meist werden sie erst nach Monaten oder Jahren behandelt. Im Krankenhaus müssen die völlig abgemagerten Patientinnen vor allem wieder an Gewicht zunehmen und zu Kräften kommen, manchmal muss Zwang angewandt werden, wenn sie die Nahrung weiterhin verweigern.

Manie

Eine Manie tritt selten allein auf. Meist durchleben Betroffene abwechselnd eine Phase gehobener Stimmung (Manie) und eine Phase niedergedrückter Stimmung (Depression). Von dieser so genannten Zyklothymie sind in Deutschland knapp fünf Prozent der Bevölkerung betroffen. In der manischen Phase erleben die Betreffenden eine krankhafte Hochstimmung, die mit der tatsächlichen Situation nichts zu tun hat. Ihre grundlose Heiterkeit kann in Gereiztheit und Aggressivität umschlagen, häufiger sind aber Distanz­losigkeit, Ablenkbarkeit und Selbstüberschätzung. Manchmal kommt es zu Wahnideen oder Halluzinationen. Die Manie ist für die Betroffenen meist angenehm, deshalb sehen sie oft nicht ein, dass sie krank sind. Das kann die Behandlung anfangs sehr erschweren. Betroffene haben häufig den Drang zu reden und zu schreiben, sie telefonieren ständig, reisen ziellos umher oder verfallen einem Kaufrausch. Nicht selten müssen sie zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen werden, um verhängnisvolle Konsequenzen für die Partnerschaft, den Beruf und die Familie zu vermeiden. Häufig kann eine Behandlung auf einer geschlossenen Station nicht umgangen werden. Dort sind die Patienten am ehesten von störenden Außenreizen abgeschirmt. Die Betreffenden werden zunächst mit Medikamenten behandelt, sehr wichtig ist aber auch ein gleich bleibender freundlich-zurückhaltender Kontakt zu Therapeuten und Pflegepersonal.

Mobbing

Der Begriff Mobbing kommt aus dem Englischen und steht für bedrängen, über jemanden herfallen. Im deutschsprachigen Raum ist mit dem Begriff regelmäßiges Schikanieren, Drangsalieren oder Benachteiligen am Arbeitsplatz gemeint. Es kann von Kollegen und von Vorgesetzten ausgehen. Auch in der Schule wird Mobbing inzwischen als ernsthaftes Problem betrachtet. Mobbing wird vor allem durch typische Organisationsschwächen begünstigt wie Arbeitsorganisation ohne Mitarbeiterbezug oder nichttransparente Abläufe und Entscheidungen. Verstärkend sind Rahmenbedingungen, die zu einer hohen Belastung der Beschäftigten führen und sich negativ auf Betriebsklima und Zusammenarbeit auswirken. Rund elf Prozent aller Erwerbstätigen sind von Mobbing betroffen. Sie leiden unter zahlreichen physischen und psychischen Folgen wie Demotivation, starkem Misstrauen, Nervosität, Ohnmachtsgefühle oder Angstzustände. Betroffene können sich wehren, indem sie sich beispielsweise bei den zuständigen Stellen im Betrieb beschweren und ihren Betriebs- oder Personalrat hinzuziehen. Weitere Anlaufstellen sind Mobbing­beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, spezialisierte Anwälte für Arbeitsrecht oder Psychotherapeuten. Zahlreiche Fachbücher, Broschüren und Internetseiten geben Tipps zum Vorgehen. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Arbeitnehmer das Recht, bei Mobbing die Arbeit zu verweigern. In einzelnen Fällen steht den Betroffenen ein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz zu.

Neurologie

Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit dem Aufbau, der Funktion und den organischen Erkrankungen des Nervensystems befasst. Ein Facharzt dieses Spezialgebiets wird Neurologe genannt und ist auf die Erkennung und Behandlung von Fehlfunktionen oder Funktionsausfällen des Gehirns, des Rückenmarks, der Sinnesorgane, der Nerven und der Muskulatur spezialisiert. Auch psychisch bedingte Lähmungen, Gefühlsstörungen und Schmerzen gehören zu seinem Fachgebiet. Traditionellerweise wird die Neurologie und das verwandte Fachgebiet der Psychiatrie unter dem Begriff Nervenheilkunde zusammengefasst, zwischen den beiden Teilgebieten gibt es einige Überschneidungen.

Neurosen

Neurosen sind im Gegensatz zu Psychosen so genannte reaktive Störungen. Das heißt, sie treten als Reaktion auf zurückliegende Erfahrungen oder ein zurückliegendes Ereignis auf. Häufig sind Konflikte aus früheren Lebensjahren unbewältigt geblieben und hemmen die Entwicklung und Leistungsfähigkeit eines Menschen. Nicht selten spielen Erziehungsschäden und erlerntes Fehlverhalten eine Rolle. Die überwiegende Mehrheit der neurotischen Störungen äußert sich darin, dass ein Mensch Anforderungen, Belastungen und Konflikte nur schwer bewältigt, er leidet unter depressiven Stimmungen oder scheinbar unerklärlichen Ängsten. Sehr häufig vorkommende schwere Neurosen sind so genannte Phobien: krankhafte Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen wie geschlossene Räume oder Menschenansammlungen. Auch Zwangshandlungen wie ständiges Händewäschen oder ständiges Kontrollieren sowie sexuelle Störungen können Ausdruck von Neurosen sein, aber auch auffallende, charakterliche Abweichungen und Suchtverhalten. Eng verbunden mit Neurosen sind psychosomatische Störungen, die oft nur schwer abgrenzbar sind. Neurosen werden immer mit einer Psychotherapie behandelt, die meist tiefenpsychologisch oder verhaltenstherapeutisch orientiert ist.

Panikstörung

Eine Panikstörung ist eine Angststörung, die sich in anfallsartigen Angstattacken ohne erkennbaren Grund äußert. Die Betroffenen leiden vor allem körperlich unter der Angstattacke: Sie haben Atemschwierigkeiten, starkes Herzklopfen, Schmerzen, Ohnmachtsgefühle, Engegefühl in der Brust, Erstickungs- und Beklemmungsgefühle. Sie erleben die körperlichen Symptome so intensiv und bedrohlich, dass sie sich immer weiter hineinsteigern. Viele verwechseln die Angstattacke mit einem Herzinfarkt. Manche bekämpfen die Symptome mit Beruhigungsmitteln, die kurzfristig zu einer Erleichterung führen. Doch die Angsterkrankung bleibt davon unverändert und nicht selten entsteht so eine Medikamentenabhängigkeit. Eine Panikstörung wird meist mit einer Psychotherapie behandelt, die den Patienten hilft, ihrem Körper zu vertrauen und Angstsymptome nicht mit einer körperlichen Erkrankung zu verwechseln.

Paranoia

Eine Paranoia ist ein unerschütterliches Wahnsystem, das meist als einziges Symptom einer krankhaften Verarbeitung von Lebensereignissen auftritt. Der langsam sich entwickelnde und lang andauernde Wahn kann die Folge einer anderen Erkrankung wie Schizophrenie, Alzheimer-Krankheit oder eines Hirntumors sein. Viele Betroffene leiden unter einem Verfolgungs-, Eifersuchts- oder Größenwahn. Andere sind davon überzeugt, dass sie körperlich krank sind oder ihr Körper deformiert sei, oder dass sie einen furchtbaren Körpergeruch ausdünsten.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind Verhaltensmuster, die von einem situationsangemessenen Verhalten auf charakteristische Weise abweichen. Sie werden oft nach typischen Merkmalen unterteilt in Ausprägungen wie „Histrionische Persönlichkeitsstörung“ (Hysterie) oder „Borderline Persönlichkeitsstörung“ (Borderline Störung), doch dabei gibt es häufig Überschneidungen. Die Betroffenen sind oft übertrieben empfindlich gegenüber Zurückweisung, sie sind sehr nachtragend und misstrauisch. Häufig neigen sie dazu, Erlebtes zu verdrehen. Zum Beispiel missdeuten sie neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich. Viele verdächtigen ihre Ehe- oder Sexualpartner immer wieder der sexuellen Untreue. Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung sind oft streitsüchtig und beharren sehr auf eigenen Rechten. Sie neigen zu überhöhtem Selbstwertgefühl und häufiger noch zu übertriebener Selbstbezogenheit.

Phobie

Eine Phobie ist eine ausgeprägte, anhaltende und unangemessene oder unbegründete Angst, die durch das Vorhandensein oder die Erwartung von umschrieben Objekten oder Situationen ausgelöst wird. Häufige phobische Objekte oder Situationen sind Insekten, Schlangen, Spinnen, enge Räume, Zahnarztbesuche, Prüfungen, Fahrstuhlfahren oder auch Menschenansammlungen. Als Folge einer Phobie werden die Situationen oder Objekte meist gemieden, was den Handlungsspielraum und die Lebensqualität deutlich einschränken kann. Bei der Behandlung spezifischer Phobien sind verhaltenstherapeutische Techniken Mittel der ersten Wahl, wie die z.B. "Konfrontationstherapie" wird die Vermeidung aufzugeben und die angstvollen Situationen gut zu bewältigen. Von großer Bedeutung bei der Angstbehandlung ist auch das Erlernen von Entspannungsverfahren. Bei konsequenter Durchführung kann häufig eine rasche und langfristige Symptomfreiheit oder deutliche Reduktion erreicht werden.